Wie US-amerikanische Cannabisunternehmen nach Europa expandieren können
von Josh Kasoff

Da die Branche nun über die Grenzen der Bundesstaaten hinaus in das Gebiet unabhängiger Staaten expandiert, sind amerikanische Betreiber natürlich sehr daran interessiert, wie sie daran teilhaben können. Wie bei jeder Expansion in ein neues Gebiet werden diese internationalen Chancen jedoch auch regulatorische Hürden und die üblichen Wachstumsschmerzen mit sich bringen.
Zusammenfassung
Während die Neuklassifizierung in den USA die Schlagzeilen beherrscht, liegt das eigentliche Geschäftspotenzial in Europas anspruchsvollen Medizinmärkten. Dieser Leitfaden untersucht, wie amerikanische Unternehmen die “EU-GMP-Hürde” mithilfe zweier strategischer Modelle überwinden können:
- Das Partnerschaftsmodell: Nutzung etablierter Zentren wie Portugal für einen schnellen Markteintritt.
- Das vertikale Modell: Errichtung von konformen Anlagen in kostengünstigen, ertragreichen Regionen wie Kolumbien und Thailand.
Europas Cannabismarkt unterliegt strengeren Regulierungen

Viele dieser Märkte verfügen noch immer nicht über ausreichende heimische Anbau- und Produktionskapazitäten, was die Nachfrage nach Importprodukten stark erhöht. Obwohl die US-amerikanischen Regulierungsbestimmungen den Export von Fertigwaren derzeit einschränken, bietet sich amerikanischen Ausrüstungs- und Dienstleistungsunternehmen eine bedeutende Chance. Dank ihrer langjährigen Erfahrung im Anbau und in der Verarbeitung sind diese Firmen bestens positioniert, um in diesen schnell wachsenden Markt einzusteigen.
Amerikanische Unternehmen, die eine Expansion nach Europa anstreben, müssen jedoch mit erheblichen zusätzlichen Regulierungen zurechtkommen. Insbesondere für den Verkauf von medizinischem Cannabis in der EU müssen die Blüten gemäß den Richtlinien für Gute Agrar- und Sammelpraxis (GACP) angebaut und in einer nach EU-GMP (Good Manufacturing Practice) zertifizierten Anlage verarbeitet werden. Diese Zertifizierung ist für europäische Pharmaunternehmen bereits verpflichtend, da sie die Mindeststandards für den legalen Betrieb im medizinischen Bereich festlegt.
Es mag zwar noch einige Zeit dauern, bis die übrigen EU-Staaten die cannabis-freundliche Haltung Deutschlands oder Tschechiens übernehmen, doch allein die Existenz dieser Märkte für medizinisches Cannabis stellt einen bedeutenden Wandel dar. Interessanterweise erstreckt sich diese Bewegung über die gesamte geografische und wirtschaftliche Dimension der Union: Deutschland, das größte Land der EU, und Malta, das kleinste, haben Cannabis legalisiert. Auch Luxemburg hat sich der Legalisierung angenähert, das Deutschland etwas früher als die USA folgte. Inzwischen haben 13 weitere Länder – von Norwegen bis Rumänien – Programme für medizinisches Cannabis eingeführt, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Strenge und der zulässigen Produktarten deutlich unterscheiden.
Strategische Wege für den Einstieg in den europäischen Cannabismarkt
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| Erweiterungsmodell | Vorabkosten | Markteinführungsgeschwindigkeit | Margenkontrolle | Operative Komplexität |
|---|---|---|---|---|
| EU-GMP-Partnerschaft | Niedrig bis mittel | Schnell | Niedrig | Medium |
| EU-GMP-konforme Produktion im Land | Hoch | Langsam | Hoch | Hoch |
Angesichts der internationalen Erfahrung von Ziel und der bestehenden Vorschriften für die Herstellung von pharmazeutischen/medizinischen Produkten in allen EU-Mitgliedstaaten empfiehlt de Cordova verschiedene Strategien für die Expansion in die europäischen Länder, wobei die strengen Vorschriften der EU-GMP und anderer erforderlicher Lizenzen eingehalten werden müssen.
Auch wenn die einzelnen EU-Länder Cannabis unterschiedlich handhaben und die erforderlichen Zertifizierungen unterschiedlich streng sind, gibt es für Cannabisunternehmen, die an einer Expansion nach Europa interessiert sind, dennoch einige verschiedene Optionen, die jeweils gleichermaßen Vor- und Nachteile mit sich bringen.
Partnerschaften mit EU-GMP-Einrichtungen zur Beschleunigung des Markteintritts
Cordova empfahl, dass der schnellste Weg darin bestünde, anstatt eine extrem teure, EU-GMP-zertifizierte Anlage in einem der EU-Mitgliedstaaten zu errichten, erhebliche Summen zu sparen. GACP-Anbauer könnten stattdessen mit europäischen Betrieben kooperieren, die bereits alle umfangreichen und kostspieligen Prozesse zur Erlangung der EU-GMP-Zulassung durchlaufen haben. Interessanterweise beschränken sich die genannten Länder nicht nur auf die Niederlande, sondern umfassen auch einige andere Länder, die nicht unbedingt für ihre Cannabiskultur bekannt sind, aber eigene landesweite Reformen verabschiedet haben.
Aufbau einer EU-GMP-konformen Verarbeitungsanlage in Kolumbien oder Thailand
Es gibt insbesondere zwei Länder, die de Cordova häufig als perfekte natürliche Klimazonen für den Cannabisanbau nennt, doch beide liegen weit außerhalb Europas und vieler EU-Richtlinien, unterliegen aber dennoch den strengen Richtlinien der GACP-Zertifizierung.
Mit ganzjährigen Erntezyklen, großflächigen Gewächshausanlagen, die mit vielen preisgekrönten amerikanischen Anbauern mithalten können, und Böden, die von Natur aus reich an allen für den Konsum von hochwertigem Cannabis wichtigen Nährstoffen sind, haben sich Kolumbien und Thailand zu idealen Standorten für den großflächigen Cannabisanbau entwickelt. De Cordova wies auf die Finanzstatistik hin, dass bereits zwei zusätzliche Erntezyklen Mehreinnahmen von über einer Million Euro generieren können.
Im vergangenen Jahrzehnt haben förderliche Regulierungen und ausländische Investitionen dazu beigetragen, dass sich das Land zu einem wichtigen Lieferanten von medizinischem Cannabis für den Weltmarkt entwickelt hat. Ein wesentlicher Faktor war die weitverbreitete Anwendung der GACP-Richtlinien, die in Europa praktisch zur Grundvoraussetzung geworden sind; für Unternehmen, die europäische Käufer ansprechen, ist die Einhaltung der GACP-Richtlinien nicht optional, sondern zwingend erforderlich.
Wichtigste Erkenntnisse für US-amerikanische Cannabisunternehmen, die in Europa tätig werden
De Cordova weist darauf hin, dass die beiden wichtigsten regulatorischen Rahmenbedingungen GACP für den Anbau und EU-GMP für die Weiterverarbeitung sind – zwei sehr wichtige Zertifizierungen, die für amerikanische Cannabisunternehmen größtenteils nicht erforderlich sind. Zusätzlich zum aufwendigen Zertifizierungsprozess müssen angehende amerikanische Cannabisunternehmen die jeweiligen nationalen Gesetze und Vorschriften ihres Standorts sowie die erheblichen Unterschiede in Betriebs- und Produktionsregeln und -kosten zwischen den Ländern berücksichtigen. Obwohl die amerikanischen Unternehmen in der europäischen Branche technisch gesehen Neulinge wären, betonte de Cordova den immensen Erfahrungsschatz, den amerikanische Cannabisunternehmen ihren europäischen Konkurrenten bieten können.